Tag 11|Day 11
Gemüsesamen für eine indigene Familie in Indien|Vegetable seeds for an indigenous family in India

Mehr als Reis|More than rice

Mangelernährung bei indischen Ureinwohner/innen (Adivasi)|Malnutrition among indigenous people (Adivasi) in India

Traditionell und bis vor wenigen Jahrzehnten aßen die meisten Adivasi in den südindischen Nilgiris Bergen gar nicht viel Reis, sondern Hirse, Pilze, Blätter, Früchte und Wurzeln des Waldes, Honig und eiweißreiche Bienenlarven, Fische und Kleintiere. Doch das reichte für die Ernährung kaum aus; vor allem, da immer mehr Pflanzen verschwanden, Jagd den Adivasi verboten war und bis vor wenigen Jahren sogar das Sammeln von Waldprodukten unter Strafe stand. Viele Adivasi legten sich hungrig schlafen oder aßen die einzige Mahlzeit des Tages zur Nacht. Heute ist Reis, das Hauptnahrungsmittel Indiens, auch das Grundnahrungsmittel der Adivasi. Subventionierter Reis ist sehr billig und auch unter den armen Adivasi kann sich heute jeder satt essen. Dabei ist Reis keineswegs gleich Reis, wie auch der Adivasi Kumaran dachte, Patient am Adivasi Krankenhaus in Gudalur: Er verlangte nach seinem gewohnten Reis und wurde zwei Tage vertröstet, sich zu gedulden. Am dritten Tag war der Patient weg – die Krankenschwester lief ihm mit den Medikamenten in sein Dorf nach. Ihre Ernährung so einfach auf Neues umzustellen, das ist nicht typisch für die Adivasi. Die gute Tat wird zusammen mit den Adivasi neue Wege gehen – denn ihre Ernährung ist heute einseitig und viele sind unter- und mangelernährt. Doch auch, wenn Gemüseanbau für die Adivasi als traditionelle Sammler/innen größtenteils neu ist - es lässt sich auch an Traditionen anknüpfen: Als vor einigen Jahren der bekannte indische Umweltschützer Madhav Gadgil eine Waldsiedlung von Adivasi in den Nilgiris Bergen besuchte, entdeckte er einen kleinen Garten mit einer erstaunlichen Vielfalt an wilden Pflanzen und Knollen und war sehr beeindruckt. Warum er all die Pflanzen gepflanzt habe, fragte er den Adivasi. „Warum? Weil ich sie brauche“, antwortete der.|Traditionally, the diet of the Adivasi peoples in the Nilgiris mountains in southern India has consisted less of rice, but more of millet, mushrooms, greens, fruits and root vegetables from the forest, honey and protein-rich bee larvae, fish and smaller animals. But that was hardly enough to live on - especially since more and more plants have been disappearing. The Adivasi had been banned from hunting, and until a few years ago, even gathering forest produce was outlawed. Therefore, many Adivasi had to go to sleep hungry. Today, rice, India's major staple food, is also very common among the Adivasi. Subsidized rice is cheap and even among the poorest, no one has to go hungry anymore. However, not all rice is the same. This also occurred to the Adivasi Kumaran who was a patient at Adivasi Hospital in Gudalur: when he insisted on getting the type of rice he was used to, he was told to have patience for two days. On day three he was gone - the nurse had to follow him to his village to give him his medicines. It is not typical for the Adivasi to change their diet just like that. With this good deed, the organisation will work together with the Adivasi to turn over a new leaf. Nowadays their diet is very unbalanced and many are under- or malnourished. But even though, being traditional gatherers, growing vegetables is mostly new to the Adivasi, there are old traditions to hark back to: when the well known environmentalist Madhav Gadgil went to visit an Adivasi forest settlement in the Nilgiris mountains, he was astonished to come across a small garden containing a surprising variety of wild plants and root vegetables. When he asked the Adivasi who was tending it, why he had planted all these plants, he got the response: "Why? Because I need them."

Necessity

 

Gesunde Ernährung für Adivasi (Ureinwohner/innen) in Indien.|A healthy diet for Adivasi (indigenous) peoples in India.

Activity

 

Lokales Adivasi Netzwerk kauft oder zieht Gemüsesamen und unterstützt Adivasi Familien mit einem Set von Gemüsesamen sowie mit Beratung und Begleitung.|Local Adivasi network buys or produces vegetable seeds and provides assistance to Adivasi families with seeds as well as advice and assistance.

Countable effort

After around 12 months

Anzahl der Adivasi Familien, die Gemüsesamen erhalten und auf ihrem Stück Land Gemüse anbauen.|Number of Adivasi families that are supplied with seeds and start growing vegetables on their plot of land.

Result

After around 3 years

Höherer Gemüsekonsum und insgesamt gesündere Ernährung bei den beteiligten Adivasi Familien. Rückgang der gesundheitlichen Folgen von Mangelernährung.|Higher consumption of vegetables and over-all healthier diet of the participating Adivasi families. Reduction in the health effects of malnutrition.

Systemic effect

After around 7 years

Verbesserte Entwicklungschancen für Adivasi Kinder, insgesamt verbesserte Gesundheit der Adivasi.|Better development prospects for Adivasi children, improved health for everyone.

Background

Die indischen Ureinwohner/innen (Adivasi) in den südindischen Nilgiris Bergen sind aufgrund von Armut unterernährt. Waldprodukte dienen nur selten als Nahrungsergänzung. Mit geringer Bildung verdienen die Adivasi als Feldarbeiter oder Tagelöhner auf Plantagen und Baustellen zu wenig für eine gesunde Ernährung. Denn während arme Familien zwar von subventioniertem Öl, Mehl, Zucker oder Reis profitieren, sind Milchprodukte und Gemüse sehr teuer. Die Adivasi haben auch nicht genug Geld und Land für Tierhaltung oder Gemüseanbau und wissen wenig über gesunde Ernährung. Dass die Adivasi besonders unterernährt sind, bestätigte das Adivasi Krankenhaus in Gudalur mit einer Datenanalyse: Untergewichtig waren 17 % der Nicht-Adivasi, aber 46 % der Adivasi – von diesen waren 28 % extrem untergewichtig. Armut und mangelnde Bildung sind Hauptfaktoren für Unterernährung, auch dies zeigte die Studie des Adivasi Krankenhauses: Von den Adivasi, die beim Krankenhaus oder bei der Organisation ACCORD angestellt waren, waren nur 15 % untergewichtig (gegenüber 46 % der anderen untersuchten Adivasi). Die angestellten Adivasi konnten sich genügend und gutes Essen leisten. Außerdem wussten sie über gesunde Ernährung Bescheid und gaben ihr Geld weniger für Alkohol und Zigaretten aus. Die Studie empfahl, Adivasi Familien über gesunde Ernährung zu informieren und sie beim Anbau von Gemüse und Nahrungsmitteln zu beraten. Genau dies soll jetzt mit der guten Tat passieren; ein kleines Pilotprojekt war bereits erfolgreich.|The Adivasi people in the Nilgiris mountains in southern India suffer from malnutrition. Produce gathered from the forest is rarely available to supplement their diet. As a result of insufficient education, the Adivasi have to take on agricultural or casual work on plantations or construction sites and do not earn enough to pay for a balanced diet. Although poor families have access to subsidized cooking oil, flower, sugar or rice, dairy products and vegetables are very expensive. The Adivasi also lack the resources or land for keeping animals or cultivating vegetables and know little of what constitutes a healthy diet. In a data analysis by the Adivasi Hospital in Gudalur it has been confirmed that the Adivasi are particularly malnourished: 17% of non-Adivasi were underweight, while it was 46% among Adivasi - 28% of these extremely so. The analysis has also shown that the main factors for malnourishment are poverty and lacking education. It has been recommended that Adivasi families should be educated about healthy eating and receive training on growing vegetables and food. Which is where this good deed comes in, a pilot project has already been successful.

The good deed

Die Adivasi in den südindischen Nilgiris Bergen leiden unter Mangelernährung. Die gute Tat unterstützt 600 bis 1.000 Adivasi Familien beim Anbau traditioneller Gemüse und Nahrungsmittel wie Spinat, Kürbis, Drumsticks, Yams und Bohnen. Die Familien erhalten ein Set mit Samen und personelle Unterstützung. Das Projekt findet im Rahmen der Aktivitäten des Adivasi Netzwerks AMS statt, welches in etwa 300 Dörfern ca. 15.000 Adivasi organisiert. Auf den monatlichen Treffen des Adivasi Netzwerks AMS wählen die Adivasi anhand von Kriterien aus, in welchen Dörfern das Projekt der guten Tat durchgeführt werden soll. Die in den Dörfern aktiven Animator/innen der Adivasi informieren die Dorfbewohner/innen auf den Treffen über gesunde Ernährung und die Idee des Projekts. Haben sich die Dorfbewohner/innen für das Projekt entschieden, wird es mit den Frauen durchgeführt. Die Animator/innen identifizieren gemeinsam geeignete Pflanzen, kaufen und tauschen die Samen und ziehen Samen heran. Die beteiligten Frauen erhalten Informationen zu gesunder Ernährung und Gemüseanbau, erhalten kostenfrei jeweils ein Set Samen und im weiteren Verlauf Beratung und Unterstützung. Die Frauen ziehen auch Samen heran, die an andere Familien weitergegeben werden. So kommt die gute Tat im weiteren Verlauf noch mehr Adivasi-Familien zugute.|The good deed supports 600 to 1.000 Adivasi families in cultivating traditional vegetables and foods such as spinach, pumpkins, moringa drumsticks, yams and beans. The families receive a set of seeds and personal support. The project is part of the activities of the Adivasi network AMS, that organizes about 15.000 Adivasi in 300 villages. In monthly meetings they select the villages where the good deed is to be implemented. Facilitators active in each village teach the villagers about healthy diets and explain the idea behind the project. Once they decide in favor of the project, it will be implemented together with the local women. The facilitators jointly identify suitable plants, buy, exchange and grow seeds. The local women involved are given information on healthy diets and how to grow vegetables, receive a free set of seeds and further counseling and support as the project progresses. They also grow their own seeds, which they can pass on to other families. That way many more Adivasi families benefit from this good deed.

Challenge

Die erste Herausforderung ist die Akzeptanz der Adivasi. Es ist etwas Neues für die Adivasi zur Verbesserung der eigenen Ernährung Gemüse anzubauen. Solange die Familien und Dorfbewohner/innen nicht über die Zutaten einer ausgewogenen Ernährung Bescheid wissen, die Bedeutung der Ernährung für ihre Gesundheit nicht verstehen und die gesunden Bestandteile bestimmter Gemüse und Nahrungsmittel nicht schätzen, wird für sie ein mit einem Teller Reis gefüllter Magen ausreichend sein. Deshalb ist die Arbeit der Animator/innen so wichtig, zu informieren, aufzuklären, zu beraten, zu begleiten. Dies wird im Projekt berücksichtigt: Mit ausreichend Zeit arbeiten die Animator/innen für die Akzeptanz des Projekts bei den Dorfbewohner/innen. Erst wenn diese hergestellt ist, wird mit dem Gemüseanbau begonnen. Die zweite Herausforderung ist, das Projekt der guten Tat nicht für einzelne Familien, sondern mit dem ganzen Adivasi-Dorf durchzuführen, also jeweils mit mehreren Familien zusammen. Nur dann werden sich die Frauen und Familien beim Gemüseanbau und in der Ernährung mit Gemüse gegenseitig motivieren, beraten, unterstützen. Solidarität und Gemeinschaft werden gestärkt statt durch Neid, Missgunst oder Boykott untergraben. Nur in gemeinschaftlicher Durchführung ist ein nachhaltiger, langfristiger Nutzen gewährleistet. Der gemeinschaftliche Ansatz liegt in den Traditionen der Adivasi und wird von Anfang an in allen Aktivitäten des Adivasi-Netzwerks AMS berücksichtigt.|The first challenge is gaining acceptance among the Adivasi. They are not used to augmenting their diet by growing vegetables. Unless the families and villagers know what constitutes a balanced diet, understand the importance of nutrition to their health and value the wholesome parts of certain vegetables, they will continue to assume a plate of rice to be sufficient. That is why the job of the facilitators is so important: they instruct, explain, advise and support. The facilitators take their time to gain support for the project. Only when this has been achieved, do they start the process of growing vegetables. The second challenge is to conduct this good deed in an entire Adivasi village with a number of families, rather than just one. In that way, the women and families can give each other motivation, advice and support. A communal approach has been a tradition with the Adivasi, and has been central to all activities of the Adivasi network from the word go.

About Indien|India

Neu Delhi|New Delhi

Capital

1 252 139 600|1 252 139 600

Number of inhabitants

1 627 USD|1 627 USD

Gross domestic product per capita per year

135|135

Human Development Index

In Indien gibt es 53 Millionenstädte, dennoch leben etwa 70 % der Bevölkerung auf dem Land. Über 80 Millionen sind Adivasi - damit ist Indien das Land mit den weltweit meisten Angehörigen indigener Völker.|While India has 53 cities of more than 1 million people, about 70% of Indians live in rural areas. More than 80 million of them are Adivasi, so India has the largest group of indigenous peoples in the world.

About the organization and further information

Association

Adivasi-Tee-Projekt/Adivasi-Kooperationsprojekt e.V.|Adivasi-Tee-Projekt/Adivasi-Kooperationsprojekt e.V.

Certified by

Initiative Transparente Zivilgesellschaft|Initiative Transparente Zivilgesellschaft

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