Tag 5|Day 5
Einen Tag Miete im Wohnheim für einen Studierenden in Afghanistan|A day's rent in a dormitory for a student in Afghanistan

Ein Land – eine Generation – eine Zukunft?!|One country - one generation - one future ?!

Stipendienprogramm für junge afghanische Studierende|Scholarship programmes for young Afghan students

Sayed (20) arbeitete mit 17 Jahren acht Monate lang nachts, um nach dem Tod seines Vaters das niedrige Familieneinkommen aufzubessern. Tagsüber besuchte er die Schule. Sara (18) engagierte sich schon während ihrer Schulzeit ehrenamtlich und gab kostenlose Englischstunden für Schülerinnen, die sich diese nicht leisten konnten. Als sie nach dem Schulabschluss eine Hochschulbildung anstrebte, gab es Bedenken aus ihrer Familie: Es sei ungünstig, als Mädchen zu studieren. Die Kosten seien zu hoch. Diese zwei jungen AfghanInnen verbindet die Erkenntnis, dass Bildung der Schlüssel für die Bekämpfung der prekären Sicherheitsverhältnisse, der Missachtung von Menschenrechten und der schlechten wirtschaftlichen Situation in Afghanistan ist. Denn Bildung gibt berufliche Perspektiven und trägt so dazu bei, Armut zu senken. Sayed und Sara stehen als Beispiele für zahlreiche junge Menschen in Afghanistan, die eine Vision für den Wiederaufbau ihres Landes haben und sich darin als aktive Gestalter für eine bessere Zukunft sehen.|With 17, Sayed (20) worked night shifts for 8 months to help improve his family's low income after his father's death. During the day he went to school. Sara (18) worked as a volunteer during her high school days, teaching free English classes to students who could not afford those. When she wanted to go to university after finishing high school, her family expressed concerns: as a girl, it was unfavourable to study. The costs were too high. These two young Afghans share a common conviction, namely, that education is key to combating the precarious security conditions, the disregard for human rights and the poor economic situation in Afghanistan. After all, education gives better job prospects, thus contributing to reducing poverty. Sayed and Sara are examples of the many young people in Afghanistan who have a vision for the reconstruction of their country and who see themselves as active designers of a better future.

Necessity

 

Zugang zu Bildung und finanzielle Unterstützung afghanischer Studierender.|Access to education and financial support for Afghan students.

Activity

 

Studieren ohne Grenzen Deutschland e.V. unterstützt junge bedürftige AfghanInnen finanziell und ideell bei ihrem Studium und der Durchführung eines selbst initiierten sozialen Projektes.|Studieren ohne Grenzen Germany supports young Afghans in need during their studies and the implementation of a social project.

Countable effort

After around 12 months

Anzahl geförderter StipendiatInnen und erreichte Menschen durch Durchführung ehrenamtlicher Projekte.|Number of scholarships funded and people reached through the implementation of the social projects.

Result

After around 3 years

Die Stipendiaten konnten in ihrem Studium fortschreiten, haben mit ihren sozialen Projekten begonnen und dabei erste Erfolge erzielt.|The fellows were able to progress in their studies, have started with their social projects and achieved first results.

Systemic effect

After around 7 years

Erhöhte Eigeninitiative motivierter und gebildeter junger AfghanInnen sich für den Wiederaufbau ihres Landes einzusetzen.|Increased personal initiative of motivated and educated young Afghans to work for the reconstruction of their country.

Background

In den 1960er Jahren befand sich Afghanistan aufgrund ausländischer Investitionen wirtschaftlich auf seinem Höhepunkt. Auch das afghanische Bildungssystem florierte: In den größeren Städten wurden zahlreiche Schulen eröffnet und der Anteil an männlichen und weiblichen Lernenden war ausgeglichen (MGFA, 2009). Die knapp zehnjährige Besatzung (1979-1989) durch die Sowjetunion und der Widerstand islamischer Gruppierungen (Mudschaheddin) führten zu brutalen Kämpfen, die Millionen Menschen töteten und vertrieben und die Wirtschaft sowie das Bildungssystem zerstörten (MGFA, 2009). Im Zuge ihrer Machtergreifung führten die Taliban 1996 ein Schulsystem nach ihren radikal- islamischen Vorstellungen ein. Für Mädchen und Frauen war Bildung schlichtweg verboten. In den nun eröffneten Koranschulen hatte die Lehre des Islams Priorität, darüber hinaus wurden lediglich einfache Lese-, Rechtschreib- und Rechenkenntnisse vermittelt (MGFA, 2009). Seit dem Sturz der Taliban 2001 hat sich die Situation gebessert. Dennoch waren 2011 noch 70% der Bevölkerung Analphabeten (BMZ, 2011), eine intellektuelle Elite gibt es nicht (MGFA, 2009). Fast alle höheren Bildungsanstalten müssen aufgebaut werden und die Nachfrage übersteigt das Angebot: In den letzten vier Jahren warteten circa 200 000 SchulabgängerInnen vergeblich auf einen Studienplatz (Goethe-Institut, 2014; TAZ, 2014). Die Kosten für Hochschulbildung sind für viele Familien nicht zu bezahlen. Kein Wunder, dass potenziell qualifizierte Menschen abwandern.|In the 1960s, Afghanistan was at its economic peak due to foreign investments. Even the Afghan educational system flourished: Many schools opened in the larger cities and the proportion of male and female students was balanced (MGFA, 2009). However, almost ten years of Soviet occupation (1979-1989) and the resistance movement of the Islamic groups (mujahedeen) resulted in brutal fighting that killed or displaced millions of people and destroyed the economy and the educational system (MGFA, 2009). After the Taliban seized power, a new school system based on radical Islamic ideas was introduced in 1996. Education for girls and women was simply prohibited. The new madrasas prioritized the religious teachings of Islam. Apart from that, they only taught simple literacy and numeracy skills (MGFA 2009). Since the fall of the Taliban in 2001, the situation has improved. Nevertheless, in 2011, 70% of the population was still illiterate (BMZ, 2011), an intellectual elite does not exist (MGFA, 2009). Almost all institutions for higher education have to be rebuild and demand exceeds supply: In the last four years about 200.000 high school graduates waited in vain for a place to study (Goethe Institute, 2014; TAZ, 2014). Additionally, many families are not able to pay for an university education. Therefore, it is not surprising that many potentially qualified people migrate.

The good deed

Junge AfghanInnen träumen davon, Krieg und Armut zu entkommen, sich persönlich weiterzuentwickeln und zum Wiederaufbau ihres Landes beizutragen. Studieren ohne Grenzen Deutschland e.V. hilft dabei, diese Wünsche zu realisieren. Dazu vergeben wir Hochschulstipendien für engagierte Menschen, die an der Universität Herat, der zweitgrößten afghanischen Stadt, studieren oder studieren möchten. Unser Zuschuss von monatlich 75€ deckt den Großteil der Lebenshaltungskosten eines afghanischen Studenten und wird zur Bezahlung von studienbegleitenden Kosten wie Busfahrten, Schreibmaterial oder Bücher verwendet. Den meisten StipendiatInnen wäre ein Studium ohne diese Unterstützung nicht möglich. Die Besonderheit ist, dass ein Stipendium an ein soziales Projekt gekoppelt ist, das bereits während des Studiums geplant und begonnen wird. Beispiele für ein solches Projekt sind kostenloser Englisch- oder Computerunterricht, oder ein Blog über Gesundheitsrisiken im Alltag. So profitieren nicht nur die Stipendiaten, sondern auch weitere engagierte Afghanen von unserer Förderung.|Young Afghans are dreaming of escaping war and poverty, of developing themselves personally and of contributing to the reconstruction of their country. Studieren ohne Grenzen Deutschland e.V. helps them to realize their dreams. Committed students from the University of Herat, the second largest city in Afghanistan, are awarded university scholarships. The monthly subsidy of 75 € covers most of the living expenses of Afghan students and costs such as bus fares, writing material and books. Most fellows would not have the opportunity to study without this support. Something special about the programme is, that the scholarship is linked to a social project, which is developed and initiated during the studies. Examples of such projects are teaching free English or computer classes or a blog about everyday health risks. Therewith, not only students benefit from our support, but other committed Afghans do too.

Challenge

Es gibt vielfache Herausforderungen. Zunächst einmal müssen wir eine Entfernung von über 4700 km überwinden. Zum einen funktioniert dies, indem die StipendiatInnen mit ihren BetreuerInnen skypen und mailen. Zum anderen kooperiert Studieren ohne Grenzen Deutschland e.V. mit dem Vizerektor der Universität Herat und mit der deutschen Organisation „Help – Hilfe zur Selbsthilfe e.V.“, die in Herat ansässig ist. So haben unsere StipendiatInnen einen Ansprechpartner vor Ort und wir erhalten weitere Informationen über die Situation in Herat. Wie können wir sicherstellen, dass das Geld unserer Fördermitglieder von den StipendiatInnen sinnvoll eingesetzt wird? Neben der sorgfältigen Auswahl der StudentInnen sowie einem regelmäßigen Austausch über Skype lassen wir uns alle drei Monate schriftlich über das soziale Projekt und die Fortschritte im Studium berichten.|There are many challenges. First of all, we have to overcome a distance of more than 4700 km. Fellows and their supervisors try to bridge this distance via Skype and e-mail. Additionally, Studieren ohne Grenzen Deutschland e.V. cooperates with the vice director of the University of Herat and the German organization "Help – Hilfe zur Selbsthilfe e.V.", based in Herat. In that way our students do have a local contact person and we do get more information about the situation in Herat. How can we ensure that the money of our donors is spent effectively by the fellows? Besides carefully selecting our students, we also have regular discussions on Skype with them and they hand in a written report to us every three months about the progress of their social projects and their studies.

About Islamische Republik Afghanistan |Islamic Republic of Afghanistan

Kabul|Kabul

Capital

30 551 700|30 551 700

Number of inhabitants

694 USD|694 USD

Gross domestic product per capita per year

Platzierung 169 von 187|169

Human Development Index

Afghanistan ist ein Vielvölkerstaat, dessen Bevölkerung sich aus über 32 unterschiedlichen Ethnien zusammensetzt.|Afghanistan is a multi-ethnic state. The population of the country is made up of 32 different ethnic groups.